Mehr als nur ein Kampf um zwei Punkte

Hermann J. Kahlenberg empfindet das alles als nicht so dramatisch. Selbst wenn der AC Ückerath den Hinrundensieg wiederholt und das heutige (19.30 Uhr/Nievenheimer Dreifachhalle) Lokalduell in der Ringer-Verbandsliga gegen den KSK Konkordia Neuss für sich entscheidet, für ihn bleiben die Neusser die Nummer eins im Kreis. “Wir sind nach wie vor der beste Klub in NRW, was die Jugendarbeit angeht, wir haben dieses Jahr mehr als 50 Turniersiege eingefahren”, sagt der KSK-Vorsitzende.

Vielleicht muss er in seiner Position so etwas sagen. Doch ganz so spurlos scheinen der freiwillige Rückzug des jahrelangen Bundesligisten und der damit verbundene Sturz in die Verbandsliga nicht an ihm vorbei zu gehen. Anmerken lässt es sich Kahlenberg aber nicht. Anstatt mit der Vergangenheit zu hadern, blickt er nach vorn und hofft auf bessere Zeiten: “Wir haben uns ganz bewusst für den Weg des Neuanfangs entschieden. Diese drei Jahre müssen wir jetzt überstehen”, sagt er mit Blick auf “die vielen Talente in unseren Reihen”.

Und obwohl er dem ACÜ den Aufstieg gönne, weil dieser eine gute Verbandsliga-Mannschaft habe, von einer Wachablösung im Rhein-Kreis will Kahlenberg nichts wissen. Selbst die makellose Bilanz der Ückerather, die den Aufstieg in die Oberliga nach zehn Kampftagen mit zehn Siegen fast schon sicher haben, bringe die alte Ringer-Hierarchie nicht ins Wanken.

In Dormagen sehen sie das etwas anders. “Von der Tabelle her sind wir jetzt schon die Nummer eins im Kreis”, sagt der Vorsitzende Detlev Zenk. Und auch in der Jugend sei der ACÜ nicht weit zurück: “Wir sind eine viel kleinere Stadt. Was unsere Trainer dafür – gerade in den Schulen – leisten, ist enorm”, sagt Zenk, der sich sicher ist: “Wir werden zum gegebenen Zeitpunkt beweisen, dass wir den entsprechenden Nachwuchs haben, um dem KSK zu zeigen, wer Ückerath ist.”

Fest steht: Obwohl der ACÜ vor zwei Jahren selbst einen freiwilligen Rückzug von der Ober- in die Landesliga hinter sich hat, hat er die Neusser in Sachen erste Mannschaft mittlerweile überholt. Selbst wenn Kahlenberg überzeugt ist, dass “Ückerath keine Chance hätte, wenn wir keine Verletzten hätten”, ist die Bilanz der Ückerather beeindruckend. Seit zwei Jahren haben die Dormagener jeden Kampf gewonnen und könnten bald wieder in der Oberliga antreten. Ob sie das tun, steht aber in den Sternen. “Der Rückzug war damals der Wille der Mannschaft. Falls nun der Aufstieg klappt, wird sie intensiv überlegen, ob sie sich die Oberliga noch einmal zutraut.”

Noch ist aber ohnehin nichts spruchreif. Noch stehen vier Kämpfe aus. Und da Kadir Kurt ausfällt, wird es sicher nicht leichter. Allerdings haben auch die Neusser Verletzungssorgen: Sergej Lupin, Erich Marjalke und Evgeni Zadera fehlten am Dienstag beim Training. Zenk hat trotzdem Respekt: “Wir wissen, dass sich der KSK viel vorgenommen hat. Die Hinrundenniederlage hat die gewurmt. Aber wenn wir die Serie fortsetzen, wäre das sehr bedeutend.” Nicht nur für die Tabelle.

(Artikel aus der NGZ vom 11.11.2012)