ASV Mainz 88 vs KSK Neuss

Ergebnisse

Mainz gegen Konkordia Neuss 16:14
(Bericht von Alex Jodas)

Schade, schade, schade, knapp die Sensation verpasst!

Die Neusser Überraschungsmannschaft der ersten Liga hat haarscharf den Sieg verpasst. Bis zum letzten Kampf war noch alles offen und es blieb spannend.
Dass Neuss gegen Mainz kaum eine Chance haben würde, war im Vorfeld allen schon klar. Denn im Gegensatz zu dem Aufsteiger Bad Kreuznach ist Mainz ein Schwergewicht in der Liga.

Mit der 57 Kilo Klasse haben die Neusser keinen guten Start. Der Leichtgewichtler Vladimir Todorov Tumparov kommt gegen den Mainzer Beka Bujiashvili unter die Räder. Wie eine Lawine fallen die Techniken von Bujiashvili über den Neusser her. In nur einer Minute wird er technisch überlegen abgefertigt. Das sorgt erst Mal für lange Gesichter bei den Gästen.

Spannender wird es im Schwergewicht zwischen dem Neusser Dariusz Vitek und Etka Sever. Auch wenn der Neusser Anfangs zurückliegt: Er lässt ansonsten nichts anbrennen. Er fängt seinen Gegner bei einer Schleuder ab, kann ihn in der Bodenlage mehrfach durchdrehen. Als der Mainzer Vitek im Zwiegriff hält und ihn passiv aussehen lässt, zieht sich der Neusser galant aus der Affäre: er zieht einen Armdrehgriff, bei dem er mit immerhin zwei Punkten profitieren kann. Ungefährdet steht er die sechs Minuten Kampfzeit durch und siegt 4:10 nach Punkten.
Es steht 4:2 für die Mainzer.

Noch schneller als im ersten Kampf geht es in der 61 Kilo Klasse zwischen Ahmed Aruhanov von Neuss gegen Justas Petravicius. In unter einer Minute wird Aruhanov technisch unterlegen vernichtet. Anfangs versucht Petravicius noch, den jugendlichen Neusser aus der Bodenlage überzustürzen. Aber wie in der Woche zuvor windet sich der Gummimensch Aruhanov raus und landet auf dem Bauch. Dann wird eben im Boden durchgedreht. Und so knackt ihn der Mainzer in nur 55 Sekunden.
Es steht jetzt 8:2 für Mainz. Das sieht nicht gut aus für Neuss, werden sie hier vorgeführt wie unreife Schuljungens?

In der 98 Kilo Klasse macht Adlan Tasuyeu von Neuss gegen Abdallh Karem alles richtig. Der Mainzer scheint der Publikumsliebling zu sein, er wird hier besonders angefeuert. Aber in diesem Kampf hat Tasuyeu die Hosen an, er schafft als einziger, die Beine anzugreifen und Punkte zu sammeln. Nur am Ende der vierten Minute wird es kurz für ihn kritisch, als Karem seinen Gegner mit einer Schleuder in die gefährliche Lage wirft. Am Boden versucht der Mainzer, Tasuyeu durchzudrehen. Der Neusser fängt ihn ab: Jetzt befindet sich Karem in der gefährlichen Lage. Der Mainzer windet sich, versucht verzweifelt, durch Richtungsänderungen dieser misslichen Lage zu entkommen. Aber der Neusser ist unbeeindruckt und denkt nicht im geringsten daran, den hilflos in seinen Armen zuckenden entkommen zu lassen. So kommt es wie es kommen muss: Schultersieg eine halbe Minute vor dem Schlusspfiff! Die Neusser toben vor Freude und kommen mit der Mannschaftswertung mit 8:6 ein gutes Stück näher an die Mainzer ran! Das heißt, hier ist jetzt noch alles offen.

Vor allem, als der Neusser Ayub Musaev gegen Edhem Ünal es ganz schnell macht: Er schultert sein völlig unterlegenes Opfer, Pardon, seinen Gegner in nur 25 Sekunden. Nun kippt das Mannschaftsergebnis, jetzt führen die Neusser sogar mit 8:10! Na, wenn das nicht Hoffnung auf einen Mannschaftssieg aufkommen lässt. Das sieht zur Mitte des Mannschaftskampfes doch vorzüglich aus für die Neusser, wer hätte das gedacht?

Leider gewinnt der Mainzer Burhan Akbudak gegen den noch jugendlichen Julian Lejkin technisch überlegen in viereinhalb Minuten. Der Kampf wird, wie im Griechisch Römisch so häufig , am Boden entschieden. Da dreht Akbudak den Neusser mehrfach durch. Jetzt führen wieder die Mainzer mit 12:10.

Der folgende Kampf in der 71 Kilo Klasse zwischen Kristupas Sleiva von Mainz und Aaron Bellscheidt ist eine engere Geschichte. Auch dieser Griechisch Römisch Kampf wird am Boden bestimmt. In der dritten Minute wird Bellscheidt auf den Boden geschickt. Sleiva hebt ihn schulmässig aus und wirft ihn. Als er ihn anschließenden Durchdrehen will fängt ihn der Neusser ab. Sleiva hat noch Glück, das diese Aktion außerhalb der Matte geschieht. Aaron verliert 8:2 nach Punkten. Das ist keine Schande, schließlich befinden wir uns hier in der Bundesliga, das ist bekanntlich kein Kindergeburtstag. Jetzt steht es 14:10 für Mainz.

In der 80 Kiloklasse sehen wir dann einen beinharten Kampf zwischen Georg Harth und dem Neusser Daniel Sartakov. Beide Männer schenken sich nichts. Der Neusser geht mehr Risiko ein und greift die Beine an. Er gerät aber in Rückstand, weil Harth exzellent abwehrt. Bis kurz vor Ende führt der Mainzer noch. Es ist ein Kampf so zäh wie Gummi, bis zur vierten Minute: Hier rafft der Neusser seinen Mut zusammen und greift beherzt das Bein von Harth an. Er zieht seine Technik dieses Mal unmissverständlich ohne zaudern zügig durch, so dass er hochverdiente zwei Punkte kassiert. Endlich, endlich, mag man sich sagen, es ist, als ob ein Knoten geplatzt wäre, so befreiend wirkt diese Aktion in diesem sonst so verbissenen Kampf. Das bedeutet letztendlich die Führung für Sartakov bei einem Endstand von 3:3, weil der Neusser die letzte Wertung erzielt hat. Das ist ein hart erkämpften Mannschaftspunkt für die Neusser, es steht jetzt noch 14:11 für Mainz. Ist das der Auftakt für eine furiose Aufholjagd?

Im vorletzten Kampf, dem 75 Freistil zwischen Josif Shahbazyan für Mainz gegen Lom-Ali Eskijev, gibt sich das jugendliche Eigengewächs ähnlich hartnäckig. So wie wie im vorherigen Kampf lässt Shahbazyan kaum was zu, er zieht sich elegant aus der Affäre, indem er passiv kämpft. Bis zur Pause schafft Eskijev bei einem Beinangriff, zwei Punkte zu erzielen. Die Neusser aber wollen mehr, es geht hier um den Gesamtsieg der Mannschaft, sie wollen die technische Überlegenheit. Doch der jugendliche Mainzer verkauft sich teuer, er verhindert und zerstört, wo er nur kann.
In der zweiten Halbzeit kommt der Neusser dann besser in Fahrt. Nur er ist es, der hier punktet und man sieht, das da noch mehr drin wäre. Doch der Mainzer ist ein begnadeter Verhinderer. Am Ende der vierten Minute bekommt Eskijev dann doch noch eine Viererwertung, als er seinen jugendlichen Gegner bei einem Hüftangriff in die gefährliche Lage unsanft auf den Boden knallt. Leider ist diese Aktion in der blauen Passivitäts-Zone erfolgt, sonst wäre noch ein Schultersieg möglich gewesen. Der Neusser führt jetzt 0:10, marschiert er jetzt durch zur technischen Überlegenheit? Die Kondition hierzu hat er, nicht umsonst ist er Profi im MMA Kampfsport. Aber in der restlichen Zeit lässt Shahbazyan weiterhin nichts zu, es ist zum Haare raufen, wie dieser Kämpfer alle Angriffe des Neussers abwehrt. So bleibt es bei dem hochverdienten 0:10 Sieg für Lom-Ali. Aber es bleibt ein fader Nachgeschmack, dass hier mehr drin gewesen wäre, man wollte so gerne die technische Überlegenheit. Das sind immerhin drei Punkte für die Mannschaft, es steht jetzt Unentschieden 14:14.

So ist noch alles offen, im letzten Kampf kommt es jetzt auf den noch jugendlichen Neusser Samuel Bellscheidt in der 75 Kiloklasse in Griechisch Römisch an. In seiner Haut möchte ich nun wirklich nicht stecken, die Verantwortung des Mannschaftskampfes ruhen nun alleine auf ihn. Zumal sein Gegner Ruhullah Siddik Gürler im Vorjahr keinen Kampf verloren hatte, so wie es der Mainzer Hallensprecher im Vorfeld verkündet.
Im Stand sind die beiden Kämpfer ebenbürtig, beide lassen nichts zu. Und so geschieht es, Samuel wird auf den Boden geschickt. Siddik packt Bellscheidt verkehrt herum an der Hüfte. Und zieht und zieht! Schafft er es ihn überzustürzen oder lässt ihn der Neusser verhungern? Er ist ein ruckeln, zerren und ziehen, und dann, verdammt noch mal, dann schafft Siddik ihn tatsächlich, den verkehrten Überstürzer. Man kann sich vorstellen, die Halle in Mainz tobt hier trotz Corona Abstandsregeln, ihr Mann führt 5:0, bedeutet das den Mannschaftssieg? Aber Bellscheidt steckt nicht auf, er ist ein veritabler Kämpfer, er versucht alles, um den Kampf noch zu kippen. Und dann, in der Tat, wird der Mainzer auf den Boden geschickt. Und nun versucht der junge Neusser seinen Gegner auszuheben. Er hat ihn schon in der Luft, aber Siddik zappelt und macht sich schwer. Es fehlt nicht viel, es ist nur ein Quäntchen aber es reicht nicht ganz, die Sensation bleibt leider aus. Es geht weiter im Stand und der Mainzer macht gar nichts mehr, er will nur noch seinen Vorsprung halten. Doch Samuel versucht weiterhin alles, und dann wird er bei einem Rumreißer Hintermann. Es steht jetzt 3:6 für den Mainzer, ist da noch was zu machen? Siddik ist aber ausgebufft genug, um den Punktesieg und damit den Sieg der Mannschaft über die Zeit zu bringen.

Autor: Alex Jodas

 

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Oliver Stach